Die Suche nach der Medizin gegen Wachstumsschmerzen bei Unternehmen

Was sind die wichtigsten Merkmale von Wachstumsschmerzen nach einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs? Wie entstehen sie? Auf welche Probleme stoßen Sie im Unternehmen? Und was können Sie dagegen tun? Diese spannenden Fragen waren Gegenstand eines kürzlich von der ARV Group organisierten Erfahrungsworkshops. Zwanzig Teilnehmer, darunter Betriebsdirektoren, Lieferkettenmanager und Fertigungsleiter, tauschten ihre Erfahrungen aus und inspirierten sich gegenseitig bei der Suche nach möglichen Ansätzen und Lösungen. 

Ein Wirtschaftsboom ist der Traum eines jeden Unternehmens. Die Nachfrage wächst, das Volumen steigt. Die Produktvielfalt und die Anzahl der Vertriebskanäle nehmen zu. Aber die operativen Abläufe werden immer komplexer. Dadurch kann der Fokus auf Primärprozesse verloren gehen und die Leistungen geraten unter Druck. Vertrieb und Betrieb werden voneinander entfremdet und der Mangel an gut qualifizierten Mitarbeitern wird immer größer.

Dieses beim Auftakt skizzierte Bild wurde von allen Teilnehmern erkannt. Und obwohl sich die Unternehmen und Geschäfte der Teilnehmer voneinander unterscheiden, verursachte das anschließende interaktive Programm doch eine große gegenseitige Befruchtung. Was bedeutet Wachstum in wirtschaftlich guten Zeiten für die Betriebe? Das war die zentrale Frage. Es wurden vier wichtige Themen behandelt: 


1. Leistung

In der Hektik, die ein Wirtschaftsboom mit sich bringt, lassen die Leistungen nach. Dies wird zunächst noch durch ein größeres Volumen kompensiert. Aber nach einer Phase des Wirtschaftsbooms gerät das Ergebnis unter Druck. Leistungsstandards werden aufgegeben und die Kontrolle verwässert. Das Visier muss wieder vollständig auf Prozesse, Qualität, Leistungen und Ergebnisse ausgerichtet werden. 

2. Vertriebs & Produktions Planung

Wirtschaftlich gute Zeiten können dazu führen, dass die Vertriebs- und Produktionsplanung unter Druck gerät. Steigende Umsätze führen zur Nachfrage nach höheren Mengen, und neue Produkt-/Marktkombinationen erfordern andere Prozesse. Hierbei handelt es sich um neue Entwicklungen, die außerhalb der bestehenden Planung und Dynamik zwischen Vertrieb und Betrieb stattfinden. Das Ende der bisher selbstverständlichen Flexibilität und Kapazität ist in Sicht. Weniger Versorgungssicherheit und leere Regale beim Kunden lauern. Die bestehende Vertriebs- und Produktionsplanung reicht nicht mehr aus. Die Konzentration auf eine Planung der nächsten Ebene ist dann unerlässlich. Damit Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht gebracht werden und die Qualität und Lieferleistungen wieder den vereinbarten Standards entsprechen.

3. Planen und fokussieren

Durch Wachstum und Betriebsdruck wird der Fokus auf den Primärprozess reduziert. Die Aufmerksamkeit im Betrieb wird durch die tägliche Hektik, neue Möglichkeiten, Entwicklungen, etc. abgelenkt. Mehr denn je wird dort ad hoc, im Moment und vor allem chancengetrieben gearbeitet. Dadurch werden sorgfältig entwickelte und befolgte Standards, Prozesse und Arbeitsweisen häufig vernachlässigt. Das wirkt sich auch auf die Leistungen und die Lieferzuverlässigkeit aus. Gerade dann geht es darum, festzustellen, auf welche Nachfragen und Möglichkeiten des auf Hochtouren laufenden Marktes reagiert werden sollte oder nicht? Ein scharfer Fokus und (mutige) Entscheidungen sind dann unerlässlich.

4. Organisation

In Boomzeiten herrscht auf dem Arbeitsmarkt Knappheit. Es kommt zu einem Mangel an genügend und gut ausgebildeten Mitarbeitern. Das (neue) Geschäft erfordert außerdem auch andere Kompetenzen. Es besteht die Gefahr, dass der Wahnsinn des Tages dazu führt, dass Lücken in der Organisation und bei der Kapazität einfach als gegeben akzeptiert werden. Ein struktureller Plan mit konkreten Lösungen (z. B. unter Einbeziehung eines externen Vermittlers oder eines neuen Vergütungssystems ist daher notwendig.

Vier Teilnehmergruppen haben sich dann eines dieser Themen angesehen und gemeinsam die wichtigsten beachtenswertesten Punkte und mögliche Ansätze aufgelistet. Wachstumsschmerzen erfordern Korrekturen, Fokussierung und klare Entscheidungen. Man muss es dafür wagen, aus der täglichen Hektik herauszukommen. Und es gibt nicht nur eine Medizin. Über die gemeinsame Schlussfolgerung wurde während des Nachgangs noch lange diskutiert. Es geht um die richtige Mischung aus Fokus, Planung und Entschlossenheit. In verschiedenen Folgetreffen werden wir dies noch gemeinsam vertiefen.

Roelant van Herwaarden
Managing Partner @ARV Group



Datum der Veröffentlichung 19 Dezember 2018